Obwohl die meisten Leute bei Weihrauch zunächst an die Kirche denken, besitzt der wohlriechende Harz des Weihrauchbaumes, nicht erst seit der biblischen Geschichte der Heiligen Drei Könige, eine kultische Bedeutung. Schon mehr als 2000 Jahre zuvor nutzten die alten Ägypter den Duftstoff in Ritualen zu Ehren der Götter und machten Weihrauch somit zu einem begehrten und kostbaren Handelsgut. Nicht zuletzt waren es die Ägypter, die den Israeliten in den Jahren der Fremdherrschaft im 13. Jahrhundert v.Chr. den Kult um Düfte und um das Räucherwerk nahe brachten. Es liegt die Vermutung auf der Hand, dass der kultische Gebrauch von Weihrauch überhaupt erst durch diesen Einfluss der Ägypter Einzug in das Judentum und später das Christentum erhielt.


Der intensive, aromatische Duft von Weihrauch war im antiken Ägypten gleichzusetzen mit dem Duft der Götter. Abgeleitet von ebendiesem Verständnis als Götterduft und von der Form der Harztropfen, nannte man Weihrauch auch „Schweiß der Götter“. Er offenbarte die physische Anwesenheit des Göttlichen während eines Rituals und machte diese für die Menschen unmittelbar sinnlich erfahrbar. Die ersten archäologischen Funde, die den Import und die Verwendung von Weihrauch im Rahmen von Ritualen und Zeremonien zu Ehren der Götter belegen, gehen auf das 3. Jahrhundert v.Chr. zurück. Aus dieser Zeit stammen Importlisten mit dem Vermerk sntr, dem ägyptischen Wort für Weihrauch, und Pyramideninschriften, die von Räucherritualen mit Weihrauch berichten. Königin Hatschepsut sandte um 1.500 v.Chr. nachgewiesenermaßen Schiffe in das Land Punt, das sogenannte „Weihrauchland“ aus, um von dort Setzlinge des Weihrauchbaumes importieren zu lassen. Unter ihrer Herrschaft wurde dem Räucherkult eine besonders hohe Wichtigkeit zugeschrieben.


Im Allgemeinen waren Räucherrituale fester Bestandteil des Alltags für die alten Ägypter. Nicht nur Weihrauch, sondern auch andere Harze oder Hölzer mit aromatischen Düften wurden bei Räucherritualen in den Tempeln verwendet. Zu Ehren des Sonnengottes Ammun-Re und des Totengottes Annubis verbrannte man in den kulturellen Zentren Ägyptens, Memphis und Heliopolis, bei Sonnenaufgang Weihrauch, zu Mittag Myrrhe und bei Sonnenuntergang eine Räuchermischung namens „Kyphi“. Zur Feier der Göttin Isis wurde ein mit Weihrauch, Myrrhe und weiteren Duftstoffen gefüllter Ochse geopfert. Obwohl bei diesen und vielen weiteren Opfergaben mehrere Räucherwerke Verwendung fanden, war Weihrauch in Ägypten der edelste aller verwendeten Stoffe und meist besonderen Anlässen vorbehalten. So wurde er auch bei der Mumifizierung angesehener und reicher Verstorbener, zur Austreibung böser Geister und Reinigung der Seele sowie verschiedener Orte oder bei Beerdigungen gebraucht.