Als seine geliebte Gattin Poppea Sabina im Jahr 65 starb, veranstaltete Kaiser Nero ihr zu Ehren ein üppiges Begräbnis bei dem er weder Kosten noch Mühen scheute. Mehrere Millionen Sesterzen soll Nero für Weihrauch ausgegeben haben. Die bei der Bestattung verbrannte Menge habe sogar die Weihrauchproduktion eines ganzen Jahres in Arabien übertroffen, so berichtet es der Zeitgenosse Plinius der Ältere. Dieser sah in jenem achtlosen Umgang mit dem kostbaren Räucherstoff einen Affront gegen die Götter. Und mit dieser Meinung war er nicht allein. Bereits viele Intellektuelle vor ihm kritisierten wie er die Maßlosigkeit und Verschwendungssucht des römischen Volkes, die den Staat jährlich über 100 Millionen Sesterzen kosteten. Die Römer waren bekannt für ihre Liebe zum Luxus. Wer es sich leisten konnte, pflegte einen verschwenderischen Lebensstil, kleidete sich in edle Stoffe, umgab sich mit teuren Kunstwerken, genoss exotische Speisen und investierte viel Geld in aromatische Duftstoffe, die zu verschiedensten Gelegenheiten Verwendung fanden.


Weihrauch war in Rom nicht nur Teil öffentlicher Opfergaben wie in anderen Kulten, sondern wurde auch in privaten Haushalten genutzt. Vor vielen Häusern Roms konnte man Räucherschalen, sogenannte „acerra“, vorfinden, die zur Abwehr des Bösen, zu Ehren der Götter oder einfach zum Überdecken unangenehmer Gerüche aufgestellt wurden. Der Gebrauch von Weihrauch war inflationär. Bereits auf den Zwölf-Tafelgesetzen, der ersten bekannten Gesetzessammlung der Römer aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., finden sich Gesetze, um den verschwenderischen Umgang mit Räucherwerk einzudämmen. Unter dem Konsulat von Lucinius Crassus, um 105 v.Chr., musste erstmals ein Gesetz den persönlichen Gebrauch von Weihrauch einschränken, um den Bedarf für die Tempel überhaupt weiterhin decken zu können. Um 100 n.Chr. lag der Verbrauch von Weihrauch im Römischen Reich bei circa 3000 Tonnen pro Jahr. Damit wurde knapp doppelt so viel Weihrauch verwirtschaftet, als aus Arabien importiert werden konnte.


Am meisten Verwendung fand der Weihrauch bei Totenfeiern wie eben jener der Kaisergemahlin Poppea Sabina. Lebenden Personen wurde zunächst bei den Römern nicht gehuldigt. Das änderte sich jedoch in der Kaiserzeit. Als „dominus et deus“ („Herr und Gott“) ließen sich die Kaiser vom römischen Volk feiern und schnell wurde es Sitte, Weihrauch beim Einzug des Kaisers in die Stadt Rom oder vor einem kaiserlichen Abbild als Zeichen der Ehrerweisung zu verbrennen.


Aus den römischen Kulten leitet sich auch der Gebrauch von Weihrauch in der christlichen Kirche ab. Zwar wurde in den frühchristlichen Gemeinden Weihrauch zunächst auf Grund seiner Bedeutung bei der Kaiserhuldigung Roms abgelehnt. Mit der Einführung des Christentums als offizielle römische Staatsreligion unter Kaiser Konstantin kommt es jedoch zu einer stärkeren Vermischung römischer und christlicher Kulte und die Verwendung von Weihrauch wird nach und nach von den Christen übernommen.