Ayurveda – einer dieser Begriffe, die man immer öfter hört, aber von denen man nicht so recht erklären kann, was sie eigentlich bedeuten. Das war doch irgendwas mit gesunder Ernährung, oder? Und hat das nicht etwas mit Yoga zu tun? In unserer westlichen Kultur bringen wir Ayurveda meist mit Wellness-Trends und Esoterik in Verbindung. Vegane Ernährung, Ölmassagen und Yoga sollen unser Leben entschleunigen, unseren Körper entspannen und unseren Geist wieder ins Gleichgewicht bringen. Ayurveda ist allerdings mehr als ein kurzweiliger Gesundheitstrend. Es ist eine Jahrtausende alte Lebensphilosophie und Heilkunst, die unseren Körper ebenso wie unseren Geist betrifft. Was aber hat das mit Räucherwerk zu tun? Ayurveda ist Sanskrit und bedeutet „Wissen vom Leben“. Abgeleitet von den Veden, den heiligen Schriften des Hinduismus, entwickelte sich vor tausenden von Jahren im heutigen Indien die ayurvedische Heilkunst, die darauf abzielt ein Leben im Einklang von Körper, Sinnen, Verstand und Seele zu führen. Essenziell in der ayurvedischen Heilkunst ist die Idee, dass die Gesundheit des Menschen maßgeblich von den Energien, die in und um den Körper fließen, abhängt. Es wird in drei körperinnere Energien, die sogenannten Dosas unterschieden, die in jedem Menschen in unterschiedlicher Gewichtung wirken. Sie heißen Vata, Pitta und Kapha. Nur der, dessen Dosas sich im Gleichgewicht befinden, ist gesund. Ayurveda umfasst viele Methoden, um dieses Gleichgewicht wiederherzustellen und beizubehalten. Dazu gehören eine spezielle Ernährung, die Verwendung von Heilpflanzen, Massage- und Reinigungstechniken sowie Yoga. Ein besonderer Aspekt der Reinigungstechniken ist das Räuchern. Mit ihm soll die Umgebung von bösen Geistern und schlechten Energien gereinigt werden. Nur in solch einem gereinigten Umfeld kann der Geist positive Gedanken und der Körper seine volle Kraft entfalten. Eines der ayurvedischen Räucherrituale nennt sich „Agnihotra“. Hierbei werden jeweils zum Sonnenaufgang und -untergang unter dem Aufsagen verschiedener Mantras Naturreis, Kuhdung und Ghee, Öl aus Kuhbutter, in einer kleinen Kupferpyramide verbrannt. Früher war das Abhalten dieses Rituals nur Priestern vorbehalten, heute dürfen es auch Laien vollzeihen. Die übriggebliebene Asche wird häufig als Medizin weiterverwendet. Neben dem Aspekt der spirituellen Reinigung wird Räucherwerk auch zu medizinischen Zwecken im Allgemeinen verbrannt. So wird empfohlen bei Atemwegserkrankungen, Kopfschmerzen oder psychischen Leiden in den Räumen der Kranken zu räuchern. Dabei verwendet man uns bannte Duftstoffe wie Weihrauch und Benzoe, aber auch Gewürze, die wir vor allem in der asiatischen Küche verorten: Ingwer, Lemongrass, Koriander oder Muskat. In Indien und einigen angrenzenden asiatischen Staaten ist Ayurveda weit verbreitet und genießt dort den gleichen Status wie die Schulmedizin. Sie wird staatlich gefördert und offiziell an Universitäten gelehrt. In Deutschland und Europa hingegen beginnt man die ayurvedische Heilkunst erst seit wenigen Jahren wirklich ernst zu nehmen. Seit man aber den Nutzen vor allem in der Präventivmedizin oder aber bei chronischen und psychosomatischen Leiden entdeckt hat, erfreut sich die ganzheitliche Gesundheitslehre auch bei uns immer größerer Beliebtheit.