„In der Sekunde nun, da dieser mit den Gebäckkrümeln gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog.“ Mit diesen Worten beschreibt der Protagonist von Marcel Proust‘ Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ die plötzliche gedankliche Rückversetzung in längst verloren geglaubte Kindheitserinnerungen, ausgelöst durch den Geruch und Geschmack eines in Tee getauchten Stück französischen Gebäcks. Angelehnt an diese Szene spricht man heute bei eben jenem beschriebenen Phänomen in der Neurologie vom „Proust-Effekt“. Keine andere unserer Sinneswahrnehmung ist enger an diesen Effekt geknüpft als das Riechen. Über 10 Millionen Riechsinnzellen sind rund um die Uhr dafür zuständig, alles zu analysieren, was uns im wahrsten Sinne des Wortes vor, oder besser, in die Nase kommt. Wenn Duftmoleküle an die Geruchsempfänger auf der Oberfläche der Riechschleimhaut treffen, lösen sie elektrische Signale aus, die direkt ins Gehirn geleitet werden. Anders als die Wahrnehmung von Augen, Ohren, Zunge oder Haut werden die elektrischen Signale also nicht erst durch Nervenbahnen und Zwischenhirn geleitet, bevor sie verarbeitet werden, sondern gehen unmittelbar ans limbische System. Hier sind unsere Instinkte und Triebe verankert. Hier werden Erlebnisse verarbeitet und Erinnerungen geformt. Hier wird unsere persönliche Lebensgeschichte geschrieben. Kein Wunder also, dass wir Erinnerungen am intensivsten vor dem inneren Auge haben, wenn uns ein wohlbekannter Geruch in der Nase liegt. Als Menschen noch in Wäldern ums nackte Überleben kämpfen mussten, war der Geruchssinn ein verlässliches Mittel, um seine Umwelt einschätzen zu können. Hat man es mit Freund oder Feind zu tun? Ist diese Frucht essbar oder giftig? Ist das Fleisch noch gut oder bereits verdorben? Auch heute kommt diese Funktion des Geruchssinns noch zum Tragen. Riechen wir Rauch, werden wir aufmerksam. Riechen wir das Parfum einer vertrauten Person, fühlen wir uns geborgen. Diese Reaktionen laufen instinktiv und unkontrolliert ab. Meist nehmen wir sie gar nicht wahr. So spielt unser Geruchssinn beispielsweise eine große Rolle bei der Partnerwahl und entscheidet größtenteils darüber, wen wir attraktiv finden und wen nicht. Durch das Verbrennen von Duftstoffen kann der Geruchssinn und damit unser Geist bewusst stimuliert werden. Räuchermittel, deren Aroma wir mit positiven Emotionen verbinden, können helfen die Stimmung zu heben. So können wir uns im tiefsten Winter mit exotischen Blüten- und orientalischen Gewürzdüften in wärmere Gefilde träumen oder mit dem Geruch von Fichten- und Tannenharz einen imaginären Waldspaziergang unternehmen. Ebenso können natürliche Düfte direkt auf unseren Körper wirken und helfen uns zu entspannen oder aber anzuregen. Und vielleicht findet man sogar die eine Räuchermischung die bei einem den ganz persönlichen „Proust-Effekt“ auslöst.