Weihrauch im Christentum

Weihrauch hat zwei unterschiedliche Bedeutungen. Er entsteht als wohlriechender Rauch beim Verbrennen von Harzen der Boswelliabäume auf glühender Kohle. Als Weihrauch gelten aber auch die Harze selbst, die vor allem in Südarabien, Ostafrika und Indien geerntet werden und im Altertum mit Gold aufgewogen worden sind.

 

Weihrauch findet man in Kulthandlungen vieler Kulturen und Religionen des Ostens. Schon im Judentum befand sich vor dem Vorhang des Allerheiligsten der Rauchopferaltar, auf dem morgens und abends von Priestern ein Rauchopfer dargebracht wurde.

 

Weihrauch als Statussymbol

In Rom ersetzte das Verbrennen von Weihrauch die althergebrachten Opfergaben und bei den römischen Kaisern war er ein Zeichen zur Huldigung und Verehrung. Wegen dieser Bedeutung lehnten die Frühchristen den Weihrauch zunächst auch ab. Wer dem Kaiser kein Weihrauchopfer gab, war mit dem Tod bedroht. Das änderte sich mit Kaiser Konstantin, der das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte. Der Papst und die Bischöfe wurden in den Rang hoher römischer Beamter erhoben und als Statussymbol dafür wurde ihnen Weihrauch in Rauchfässern vorangetragen.

 

Der Durchbruch des Weihrauchs

Der Weihrauch findet ab dem 4 Jahrhundert seinen Durchbruch und festen Platz in der christlichen Liturgie. Dahinter stehen eine Entwicklung und ein Prozess, in denen die Vielfalt in der Kirche sichtbar wird. Entscheidenden Einfluss für den Gebrauch des Weihrauchs hatte wohl die westliche gallikanische Liturgie, die vor allem im gesamten Frankenreich verbreitet war. Kaiser Karl der Große war es dann, der den römischen Ritus als den einzigen durchsetzen wollte. Der Weihrauch fand auch in der römischen Liturgie seinen Platz und in den Folgejahrhunderten entwickelten sich Riten und Formen für den Gebrauch des Weihrauchs, wie wir ihn heute kennen.   

 

Weihrauch - Vorbereitung für den Dienst vor Gott

Der Weihrauch ist ein Zeichen der Gottesverehrung, der Reinigung und der Anbetung. Er dient zur Ehrung und Begrüßung Christi im Gottesdienst, als Segnung des Priesters und der Gläubigen und zuweilen auch zur Abwehr unheilvoller Mächte.

Das Verräuchern geschieht ab dem 5. Jahrhundert in einem kostbar gehaltenen Rauchfass, das an drei oder vier Ketten getragen wird und dessen Deckel an einer weiteren Kette hochgezogen werden kann. Mit ihm werden der Altar, das Evangeliar und die Opfergaben inzensiert oder beweihräuchert. Nicht nur Sachen, auch Personen werden in diese Beweihräucherung mit einbezogen und sollen so für den Dienst vor Gott vorbereitet werden.