Weihrauch in der Bibel

Weihrauch (heiliges Räucherwerk, Olibanum) ist das getrocknete Harz, das aus dem Weihrauchbaum (Boswelliabaum) gewonnen wird. Es wird nicht nur zu kultischen Zwecken als Räucherwerk eingesetzt, sondern auch heilkundlich als Pythotherapeutikum. Weihrauch bereichert nicht nur die katholische Liturgie in vielfältiger Art und Weise und schenkt ihr Festlichkeit und Freude. Er besitzt auch eine vielfältige Symbolik und Sinnkraft. Weihrauch ist der Duft und das Geschenk des Himmels.

 

Weihrauch im Neuen Testament

Zu aller erst fallen uns hier die drei Weisen an der Krippe in Betlehem ein (Mt. 2,11). Der Legende nach wurden sie als die heiligen drei Könige beschrieben, die einem Stern folgend zum neugeborenen König der Juden geführt worden sind. Diesem Kinde brachten sie wertvolle Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Tiefe Symbolik liegt hinter diesen Gaben: Gold dem großen König, Weihrauch dem wahren Gott und Myrrhe für sein Begräbnis. Die Verwendung von Weihrauch in der Liturgie bedeutet immer auch Verehrung und Lobpreis.

In der Offenbarung des Johannes finden wir 2 Textstellen, die auf den Weihrauch hindeuten. Von den 24 Ältesten vor dem Gottesthron heißt es in Offb. 5,8: "Alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk, das sind die Gebet der Heiligen".

Und in Offb. 8,3-4 finden wir die Textstelle: "Und ein anderer Engel kam und trat mit einer goldenen Räucherpfanne an den Altar; ihm wurde viel Weihrauch gegeben, den er auf dem goldenen Altar vor dem Thron verbrennen sollte, um so die Gebete aller Heiligen vor Gott zu bringen. Aus der Hand des Engels stieg der Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen zu Gott empor". Der Weihrauch ist also auch ein Symbol für die Anliegen und Bitten, die die Menschen vor Gott tragen und für das Gebet.

Und als "Duft der Erkenntnis Gottes (2 Kor. 2,14) ist er ein Zeichen der Gegenwart Gottes und symbolisiert seine immerwährende Anwesenheit in der Welt und beim Menschen. Und in 2 Kor. 2,15 wird die Gemeinde selbst als "Christi Wohlgeruch"  bezeichnet.

 

Weihrauch im Alten Testament

Schon im Alten Testament stellt der Psalmist in Ps. 141,2 den Weihrauch als Symbol für das Gebet dar, wenn er schreibt:" Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf; als Abendopfer gelte vor dir, wenn ich meine Hände erhebe". Der Rauch als das Medium, das die Gebete der Gläubigen nach oben zu Gott tragen soll.

Die aufsteigende Rauchwolke aus dem Rauchfass erinnert auch an die Wolke beim Durchzug durch das Rote Meer als Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem erwählten Volk. In Ex. 13,21 finden wir: "Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein."

Und der Weihrauch steht für Reinigung und Versöhnung. In Lev. 16,12-13 finden wir:  "Dann soll er eine Räucherpfanne voll glühender Kohlen vom Altar, der vor dem Herrn steht, und zwei Hand voll zerstoßenen duftenden Räucherwerks nehmen. Er soll alles hinter den Vorhang bringen und das Räucherwerk auf das Feuer vor dem Herrn tun; die Wolke des Räucherwerks soll die Deckplatte über der Lade einhüllen, damit er nicht sterben muss.

Im Buch Jesaja (Jes. 60,6) finden wir bei der Wahlfahrt der Völker zum gesegneten Jerusalem diese Textstelle: "Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn“.

Und im Hohelied des Königs Salomon überliefert das Alte Testament im Vers 3,6: "Wer ist sie, die da aus der Steppe heraufsteigt in Säulen von Rauch, umwölkt von Myrrhe und Weihrauch, von allen Wohlgerüchen der Händler?"

Das Alte Testament überliefert sogar in Ex. 30,34-35 die Rezeptur für das gottgefällige Räucherwerk: "Der Herr sprach zu Mose: Nimm dir Duftstoffe, Staktetropfen, Räucherklaue, Galbanum, Gewürzkräuter und reinen Weihrauch, von jedem gleich viel, und mach Räucherwerk daraus, ein Würzgemisch, wie es der Salbenmischer herstellt, gesalzen, rein und heilig."

Diese besondere und heilige Räuchermischung war nur für den Dienst vor Gott im Tempel vorbehalten. Sowohl im 1. Jerusalmer Tempel, der nach biblischer Darstellung von König Salomon erbaut worden ist, wie auch im 2. Tempel ab 408 v. Chr. gab es einen Rauchopferaltar, auf dem morgens und abends ein Rauchopfer von einem Priester vollzogen worden ist. Private Räucheropfer waren aber der Zeit  im Volk streng verboten auch wegen der Gefahr der Verehrung fremder Götter.

 

Weihrauch - Duft und Geschenk des Himmels

Sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament findet der Weihrauch umfassende Erwähnung. Als Zeichen der Verehrung und des Lobpreises, als Zeichen der Bitten und des Gebetes und als Zeichen der Reinigung und Versöhnung. Im Mittelalter war das Rauchfass immer ein Symbol für den Menschen Jesus Christus, aus dem während seines Erdenlebens der Wohlgeruch versöhnender Gebete und guter Werke zu Gott emporgestiegen sind. Im Weihrauchfass sah man das menschliche Herz, in der Glut der Kohle die Liebe und im Rauch das Gebet.