Weihrauchherstellung auf dem Hl. Berg Athos
Der beste Weihrauch fĂŒr den Herrn
Weihrauch darzubringen – vor allem in frĂŒheren Zeiten – war immer schon ein kostspieliges Opfer. Aber fĂŒr Gott wurde immer das Beste und Feinste, das Edelste und Schönste ausgesucht. SchlieĂlich bedeutet Liturgie ein Wechselspiel zwischen Gott und Mensch und das Geschenk, das Gott gemacht wird soll auch die Sinne des Menschen erfreuen. So kann der Weihrauch zur Ehre Gottes auch unsere Gedanken reinigen und zu einem Gebet werden lassen, das dann zu Gott aufsteigt. Deshalb hat der Mensch immer höchsten Wert darauf gelegt, in der Liturgie den besten Weihrauch zu verwenden, der edel duftet und nicht zum Husten reizt. Im Westen lag der Fokus eher auf die besonders hochwertigen Harze und deren unverwechselbarer Duft, wĂ€hrend im Osten immer schon Weihrauch verwendet wurde, der mit wohlriechenden Duftessenzen zubereitet worden ist.
Weihrauchherstellung durch Einsiedler
Der Weihrauch vom Hl. Berg Athos wird in der Regel von den vielen Einsiedlern und Eremiten hergestellt, die nicht in den GroĂklöstern leben, sondern in Klosterskiten und Einsiedeleien. Eine Skite ist eine klosterĂ€hnliche Mönchsgemeinschaft oder ein Mönchsdorf, der unter der Oberherrschaft eines der 20 GroĂklöster steht und in Selbstverwaltung von einem Ăltesten gefĂŒhrt wird. Skiten bestehen entweder aus groĂen klosterĂ€hnlichen Anlagen oder aus einzelnen HĂ€usern, in denen je ein oder mehrere Mönche leben. Dieses Merkmal unterscheidet auch die Lebensweise der Mönche. In Skiten mit klosterĂ€hnlichen Anlagen, die aber nicht zu den 20 privilegierten GroĂklöstern gehören, folgen die Mönche wie in den 20 GroĂklöstern der koinobitischen Lebensweise, d.h. die Mönche haben keinen Privatbesitz und ihr Leben ist gemeinschaftlich organisiert. Mönche in einem Mönchsdorf, wie z.B. die Skite St. Anna, leben idiorrythmisch, d.h. sie leben einzeln in den HĂ€usern, haben Privatbesitz haben und treffen sich nicht selten nur sonntags zum Gottesdienst in der zentralen Kirche der jeweiligen Skite. Der Begriff Skite steht auch fĂŒr mönchische Einsiedeleien, also der Behausungen von Eremiten.
Wie entsteht dieser erlesene Duftweihrauch?
Die Arbeit Àhnelt der in einer Backstube
Vater Serapheim lebt nahe der Skite St. Anna an den steilen HĂ€ngen des Athosmassivs und stellt dort unseren wunderbaren Weihrauch her. Die Weihrauchherstellung ist besonders in den heiĂen Sommermonaten nicht so einfach, da AuĂentemperaturen um die 40 ° C und höher die Weihrauchfabrik von Vater Serapheim in eine Backstube verwandeln. Denn flĂŒchtigen Aromen und Essenzen sind sehr hitzeempfindlich und bei der Hitze hĂ€rtet der Weihrauch nur schwer aus.
Die einzelnen Produktionsschritte Ă€hneln mit der Arbeit in einer Backstube. In groĂen SĂ€cken lagert fein gemahlenes Weihrauchharz, das fĂŒr Vater Serapheim in MĂŒhlen auf dem griechischen Festland zu feinem Mehl zerkleinert wurde. Es dienst als Grundstoff und wird zur TrĂ€gersubstanz fĂŒr die wunderbar duftenden Ă€therischen Ăle. In groĂen Flaschen und Kolben stehen diese fein aufgereiht in einem groĂen Regal. Sechs verschiedene RosendĂŒfte stehen neben Moschus und Amber, wunderbare WeihnachtsdĂŒfte wechseln sich mit verschiedenen BlumendĂŒften ab.
Ătherische Ăle und Magnesiumpuder
Das Ă€therische Ăl wird nun zusammen mit einer Bindesubstanz dem gemahlenen Weihrauch beigemengt. Das MischungsverhĂ€ltnis ist selbstverstĂ€ndlich ein strenges Betriebsgeheimnis. Vater Serapheim hat uns aber verraten, dass er indischen Weihrauch verarbeitet. Aus den Zutaten knetet er nun einen festen Teig. Vater Serapheim verwendet keine Farbstoffe. Von anderen Einsiedlern kennen wir die Verwendung von Farbstoffen, um die fertigen Sorten nicht nur nach dem Duft, sondern auch optisch unterscheiden zu können.
Die Weihrauchfabrik duftet nun intensiv nach dem himmlischen Duft des Ă€therischen Ăls. ZĂŒgiges Arbeiten ist jetzt gefragt. Denn je schneller das Duftöl im Teig gebunden wird, desto stĂ€rker duftet der Weihrauch spĂ€ter. Wenn alles gut durchgeknetet ist, wird der Teig in kleine Portionen auf dem Tisch ausgewalzt. Vater Serapheim benutzt dann ganz viel Magnesiumpuder, damit der Teig nicht auf dem Tisch oder an den Werkzeugen kleben bleibt. Das Magnesium dient aber auch dem abschlieĂenden HĂ€rten des Weihrauchs.
Vater Serapheim formt nun bleistiftdicke „WĂŒrste“, die er mit einem Messer in zwei bis drei Zentimeter lange Stangen schneidet und in einen Trog mit Magnesiumpulver wirft. Die nĂ€chste Teigportion wird ausgewalzt, geschnitten und wieder in Magnesium zwischengelagert.
Weihrauch in reiner Handarbeit und im stillen Gebet
Bevor der Weihrauch ausgehĂ€rtet ist, schneidet Vater Serapheim die Stangen beim Schein einer Lampe mit einer Schere in fĂŒnf Millimeter lange StĂŒcke. Alles geschieht in Handarbeit und deshalb sind die WeihrauchstĂŒcke nie exakt in Form und LĂ€nge. Am Ende hat Vater Serapheim eine SchĂŒssel erbsengroĂer Weihrauchkörner, die ganz dick in Magnesiumpuder eingelegt sind. Jedes ein Unikat und einen herrlichen Duft verströmend.
Seine Arbeit begleitet Vater Serapheim im stillen Gebet. Der Weihrauch, der in der Einsiedelei von Vater Serapheim gefertigt wird, ist wirkliches Zeichen des Gebets. Der Name Jesu Christ, der bestĂ€ndig im Herzen des Mönches klingt, wird gleichsam eingeknetet in den Teig, aus dem dieser wunderbare Weihrauch entsteht. Und so steigt das Gebet zusammen mit dem kostbaren Weihrauch (vgl. Ps 141 (140)) auf zum wohlgefĂ€lligen Duft fĂŒr den Herrn (vgl. Lev. 2,2).
